Fachbeitrag

Kunststoffbranche im Herbst 2026: Rohstoffpreise, Konjunktur und Fakuma

AS Kunststoffprofile GmbH Lesezeit etwa 3 Minuten

PE und PP bleiben knapp, PVC hält sich stabil, die Branche hofft auf ein Umsatzplus, im Oktober öffnet die 30. Fakuma. Was das für Profilkäufer heißt.

Big Bags und Oktabins mit Kunststoffgranulat auf Paletten im Rohstofflager eines Verarbeiters, im Hintergrund ein Gabelstapler
Volle Lager, zögerliche Nachfrage: Im Herbst 2026 bestimmt das Angebot die Preise stärker als noch im Frühjahr.

Ein halbes Jahr nach dem Preisschock im Frühjahr hat sich der Kunststoffmarkt sortiert, aber nicht beruhigt. Wer jetzt Profile plant oder Rahmenmengen für 2027 verhandelt, sollte drei Entwicklungen im Blick haben: die Rohstoffpreise, die Lage der Verarbeiter und die Fakuma im Oktober.

Rohstoffe: PE und PP knapp, PVC stabil

Seit dem Ausbruch des Konflikts am Persischen Golf Ende Februar 2026 und der zeitweisen Blockade der Straße von Hormus sind die Polymerpreise deutlich gestiegen. Am stärksten traf es Polyethylen und Polypropylen, weil ein großer Teil der europäischen Versorgung an Produktion im Nahen Osten hängt. Verarbeiter berichteten im Frühjahr von Aufschlägen zwischen 40 und 60 Prozent, mehrere Erzeuger beriefen sich auf höhere Gewalt. Der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV) riet seinen Mitgliedern damals, solche Erklärungen nicht einfach hinzunehmen, sondern die Voraussetzungen im Einzelfall darlegen zu lassen.

PVC hat sich in dieser Zeit vergleichsweise ruhig gehalten. Nach den Marktberichten der Fachpresse liefen PE, PVC und Polycarbonat im August seitwärts, Polystyrol und Polyamid 6.6 legten wegen teurerer Vorprodukte zu. Für September hatten die Erzeuger höhere Preise für PE und PVC angekündigt. Ob sie die durchsetzen, ist offen: Die Silos der Verarbeiter sind gut gefüllt, günstige Importware drückt auf den Markt, und die Nachfrage bleibt verhalten. Für Auftraggeber heißt das: Die Spitze ist vorbei, das Preisniveau bleibt aber spürbar über dem von 2025.

Verarbeiter: drittes schwieriges Jahr, erste Hoffnung

Die deutschen Kunststoffverarbeiter stecken im dritten Jahr mit rückläufiger Nachfrage, hohem Kostendruck und politischen Belastungen. Nach Angaben des GKV ging der Branchenumsatz 2025 um 1,8 Prozent auf 68,2 Milliarden Euro zurück, die Zahl der Beschäftigten sank um rund 5.600 auf etwa 307.000. Gleichzeitig rechnet die Hälfte der befragten Betriebe für 2026 mit steigenden Umsätzen. Es wäre das erste Plus seit 2022.

Dass die Erholung nicht alle erreicht, zeigen die laufenden Meldungen: Im September wurden unter anderem Insolvenzverfahren über VBI Plastics in Bonn und Elaform in Potsdam eröffnet. Auf der anderen Seite investieren Unternehmen mit klarem Geschäftsmodell weiter, etwa Schütz mit einem neuen Werk in Ludwigshafen für mehr als 40 Millionen Euro. Die Schere zwischen stabilen und angeschlagenen Lieferanten geht weiter auseinander.

Fakuma: 30. Ausgabe vom 12. bis 16. Oktober

Vom 12. bis 16. Oktober 2026 trifft sich die Branche in Friedrichshafen zur

  1. Fakuma. Neu ist der Rhythmus von Montag bis Freitag, jeweils von 9 bis 17 Uhr.

Die Schwerpunkte sind gesetzt: Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und Digitalisierung. Maschinenbauer und Verarbeiter zeigen, wie sich Rezyklate sauber verarbeiten lassen und wo im Prozess noch Energie zu holen ist. Für Konstrukteure und Einkäufer ist die Messe die beste Gelegenheit, Werkstoffalternativen und Werkzeugkonzepte an einem Tag zu vergleichen.

Was das für Ihre Profile bedeutet

  • Hart-PVC bleibt die verlässliche Basis. Bei Profilen aus Hart-PVC ist die Preisentwicklung seit dem Frühjahr am ruhigsten verlaufen. Wer Werkstofffreiheit hat, fährt damit derzeit am planbarsten.
  • PE-basierte Produkte brauchen längeren Vorlauf. Bei PE-Schaum-Rundschnur und LD-PE-Schläuchen sichern wir Material früh ab. Nennen Sie uns Jahresmengen, dann planen wir die Chargen entsprechend.
  • TPE und POE als Alternative prüfen. Wo bisher EPDM oder Moosgummi gesetzt war, lohnt der Blick auf TPE- und POE-Rundschnur: verschweißbar, recyclingfähig und auf unserer Linie ohne Werkzeugkosten lieferbar.
  • Lieferantenwahl bleibt Risikomanagement. Fragen Sie nach Werkstoffalternativen, Lagerreichweite und Zweitquellen. Wir beantworten das offen und mit Zahlen.

Sie möchten wissen, was die aktuelle Marktlage für ein konkretes Profil bedeutet? Schicken Sie uns Zeichnung und Jahresmenge, wir melden uns mit einer Einschätzung. Und wenn Sie auf der Fakuma sind: Wir freuen uns über ein Gespräch vor Ort.

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